KI im Online-Marketing: Warum Technologie allein nicht reicht
Künstliche Intelligenz verändert das Online-Marketing rasant. Inhalte lassen sich schneller produzieren, Kampagnen effizienter steuern und Prozesse automatisieren. Gleichzeitig wächst jedoch ein anderes Problem: Immer mehr Content, aber immer weniger Relevanz.
Viele Unternehmen setzen heute stark auf KI, verlieren dabei aber den entscheidenden Faktor aus dem Blick: den Menschen, der am Ende überzeugt werden soll.
Wir haben mit Martin Kost, Inhaber der Online Marketing Agentur Standout GmbH und Autor des Buches „Überzeugen im Web“, gesprochen. Er erklärt, warum Marketingpsychologie gerade im KI-Zeitalter entscheidend ist und wie Unternehmen Technologie sinnvoll einsetzen.
Frage 1: Ist KI ein zentraler Bestandteil des Buches „Überzeugen im Web“? #
Martin Kost: Nein, das Buch ist 2023 erschienen, also zu einem Zeitpunkt, als KI gerade erst im breiten Bewusstsein angekommen ist.
Aber gerade wegen KI ist es heute aktueller denn je. Denn Content lässt sich heute schneller in grossen Mengen produzieren, aber unzählige Beispiele zeigen, dass dabei die Überzeugungskraft der Inhalte leidet. Die Grundlagen, wie Menschen Entscheidungen treffen, haben sich nicht verändert. Auch KI-generierte Inhalte müssen die Menschen berühren, damit man damit etwas verkaufen kann.
Frage 2: Wird klassisches Online-Marketing durch KI ersetzt? #
KI bringt vor allem eines: Geschwindigkeit. Content kann schneller produziert und in grösserem Umfang erstellt werden.
Doch genau hier zeigt sich auch ein aktuelles Problem: Viel Content entsteht ohne echte Substanz. Der Begriff „AI Slop“ beschreibt diese Entwicklung sehr treffend, Inhalte, die zwar schnell produziert, aber inhaltlich schwach sind. Der entscheidende Punkt bleibt: Nicht die Technologie überzeugt, sondern der Inhalt.
Frage 3: Was macht guten Content im Kern aus? #
Im Zentrum steht immer die gleiche Frage: Wen möchte ich erreichen und überzeugen?
Guter Content entsteht dann, wenn Unternehmen verstehen, wie ihre Zielgruppe denkt, welche Probleme sie lösen möchte und welche Faktoren ihre Entscheidungen beeinflussen. Die Herkunft des Contents, ob KI oder Mensch, spielt für die Wirkung keine Rolle.
Frage 4: Worum geht es im Buch konkret? #
Das Buch ist als praktischer Leitfaden aufgebaut. Im ersten Schritt geht es um die Zielgruppe: Bedürfnisse, Probleme, Erwartungen und Einwände. Darauf aufbauend wird der gesamte Überzeugungsprozess strukturiert, von der ersten Ansprache bis zur konkreten Handlung.
Frage 5: Wie funktioniert dieser Überzeugungsprozess? #
Er lässt sich in sechs zentrale Ebenen unterteilen:
• Sympathie aufbauen
• Nutzen klar kommunizieren
• Vertrauen schaffen
• Einwände entkräften
• Vergleichbarkeit ermöglichen
• Handlung auslösen
Das Buch zeigt für jede dieser Ebene eine Reihe von Techniken, die man nutzen kann, um potenzielle Kunden von einer bestimmten Botschaft zu überzeugen. Wenn man auf allen Ebenen überzeugt hat, dann steht dem Verkauf nichts mehr im Weg.
Frage 6: Welche Vorteile bringt KI dabei? #
Ihre Stärke liegt vor allem in der Effizienz. Auf Basis eines klar definierten Inhalts können Unternehmen mit KI schnell verschiedene Varianten für unterschiedliche Kanäle, Zielgruppen und Phasen der Customer Journey erstellen.
Das ermöglicht schnelleres Testen, gezieltere Optimierung und eine deutlich höhere Geschwindigkeit in der Umsetzung.
Frage 7: Was bedeutet das konkret für Unternehmen? #
Online-Marketing bleibt ein kontinuierlicher Prozess: Testen, Auswerten, Optimieren und Wiederholen.
KI beschleunigt diesen Kreislauf erheblich. Ohne strategische Grundlage führt das jedoch oft nur dazu, dass ineffektiver Content schneller produziert wird.
Erfolgreich wird es erst durch die Kombination aus klarer Strategie, Zielgruppenverständnis und systematischer Optimierung.
Fazit: Technologie braucht ein Fundament #
Das Gespräch zeigt deutlich: KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Ersatz für strategisches Marketing.
Erfolgreiches Online-Marketing entsteht durch das Zusammenspiel von:
• Zielgruppenverständnis
• klaren Botschaften
• strukturierten Prozessen
KI kann diesen Prozess skalieren und beschleunigen, aber nur, wenn die Grundlagen stimmen. Oder anders gesagt: Nicht die KI entscheidet über den Erfolg, sondern das Verständnis dafür, wie Menschen überzeugt werden.