22. Juni 2026

GEO und AI Search: Wie Unternehmen ihre Website für ChatGPT & Co. optimieren können

Generative Suchsysteme wie ChatGPT, Google AI Overviews, Claude oder Perplexity verändern die Art, wie Menschen nach Informationen suchen. Statt sich durch zahlreiche Suchergebnisse zu klicken, erhalten Nutzerinnen und Nutzer immer häufiger direkt eine Antwort, zusammengestellt aus verschiedenen Quellen.

Für Unternehmen stellt sich dadurch eine neue Herausforderung: Wie kann die eigene Website auch künftig sichtbar bleiben und von KI-Systemen als vertrauenswürdige Quelle berücksichtigt werden?

Wir haben dazu mit Noah Käch von Standout gesprochen. Als SEO- und GEO-Experte unterstützt er Unternehmen dabei, ihre Sichtbarkeit sowohl in klassischen Suchmaschinen als auch in generativen Suchsystemen zu verbessern.

Wie beobachtest du aktuell die Entwicklung von generativen Suchsystemen wie Google AI Overviews, ChatGPT, Claude oder Perplexity? #

Noah Käch: Ich denke, wir befinden uns aktuell in einer der grössten Veränderungen der Suche seit der Einführung von Google. Nutzerinnen und Nutzer erwarten immer häufiger keine Liste von Suchergebnissen mehr, sondern eine direkte Antwort auf ihre Frage. Für uns als SEO-Agentur ist das natürlich sehr relevant, weil sich damit auch das Suchverhalten und die Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer verändern.

Besonders bei informationsorientierten Suchanfragen sehen wir bereits, dass generative Suchsysteme einen Teil der klassischen Suche ersetzen. Suchende möchten sich häufig nicht mehr durch zahlreiche Webseiten klicken, sondern erwarten eine schnelle, verständliche Zusammenfassung relevanter Informationen.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle von Websites. Früher stand primär der Klick auf die Website im Mittelpunkt. Heute geht es zunehmend darum, überhaupt Teil der Antwort zu werden. Für Unternehmen bedeutet das, dass neben der eigenen Website auch die allgemeine Wahrnehmung und Präsenz der Marke im digitalen Raum wichtiger werden.

Bei Suchanfragen mit einer konkreten Kauf- oder Dienstleistungsabsicht sieht die Situation aktuell noch etwas anders aus. Wer ein Produkt kaufen oder einen Anbieter auswählen möchte, besucht häufig weiterhin verschiedene Websites, um Angebote zu vergleichen und Vertrauen aufzubauen. Dennoch beobachten wir auch hier, dass viele Personen ihre Recherche zunehmend mit einem KI-System beginnen.

Die Entwicklung steht zwar noch am Anfang, wir sehen aber bereits heute erste Auswirkungen auf organische Zugriffe und das Suchverhalten vieler Nutzerinnen und Nutzer. Aus unserer Sicht wird die Frage künftig nicht mehr nur sein, wie gut eine Website gefunden wird, sondern auch, wie präsent und vertrauenswürdig eine Marke innerhalb generativer Suchsysteme wahrgenommen wird.

Welche Auswirkungen haben diese Technologien auf klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO)? #

SEO bleibt weiterhin die Grundlage digitaler Sichtbarkeit. Auch generative Suchsysteme benötigen Quellen, Inhalte und Signale, um Informationen einordnen und Antworten generieren zu können. Die klassischen SEO-Prinzipien verlieren deshalb nicht an Bedeutung. Unternehmen müssen weiterhin verstehen, wonach ihre Zielgruppe sucht, welche Themen relevant sind und wie sie dazu hochwertige Inhalte bereitstellen können.

Was sich jedoch verändert, ist der Betrachtungswinkel. Während klassische Suchmaschinen primär einzelne Webseiten bewerten, versuchen KI-Systeme zunehmend zu verstehen, welche Unternehmen, Marken oder Personen in einem bestimmten Themengebiet besonders relevant und vertrauenswürdig sind.

Dadurch gewinnen Faktoren an Bedeutung, die über die eigentliche Website hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise Bewertungen, Erwähnungen in Fachmedien, Verlinkungen von vertrauenswürdigen Quellen, Branchenverzeichnisse oder allgemeine Empfehlungen im digitalen Raum. Vereinfacht gesagt: KI-Systeme bewerten nicht nur Inhalte, sondern versuchen auch die Glaubwürdigkeit und Reputation der dahinterstehenden Marke zu verstehen.

Eine zusätzliche Herausforderung entsteht bei der Messbarkeit. Während Unternehmen bei Google relativ genau nachvollziehen können, wie viele Impressionen, Rankings oder Klicks erzielt wurden, ist die Sichtbarkeit innerhalb von KI-Systemen deutlich schwieriger zu erfassen. Eine Marke kann in einer generierten Antwort prominent erwähnt werden, ohne dass daraus ein Websitebesuch entsteht. Die Sichtbarkeit ist vorhanden, wird in klassischen Analyse-Tools jedoch oft nicht sichtbar.

Deshalb verschiebt sich der Fokus zunehmend von reinen Rankings und Klicks hin zu einer breiteren Betrachtung von Markenpräsenz, Autorität und digitaler Wahrnehmung.

Siehst du Generative Engine Optimization (GEO) als eigenständiges Feld oder eher als Weiterentwicklung von SEO? #

GEO sehen wir nicht als eigenständige Disziplin, sondern als die nächste Evolutionsstufe von SEO.

Die klassischen SEO-Grundlagen bleiben weiterhin essenziell: eine technisch saubere Website, klare Informationsarchitektur, relevante Inhalte und ein Verständnis der Suchintention bilden nach wie vor das Fundament für digitale Sichtbarkeit.

Gleichzeitig verändert sich die Art und Weise, wie Informationen gefunden und bewertet werden. Generative KI-Systeme verlassen sich nicht mehr ausschliesslich auf die Inhalte einer einzelnen Website, sondern beziehen ihr Verständnis einer Marke, eines Unternehmens oder einer Person aus einer Vielzahl externer Quellen.

Dadurch gewinnen Faktoren an Bedeutung, die im klassischen SEO zwar bereits relevant waren, nun aber deutlich stärker gewichtet werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Bewertungen und Nutzererfahrungen
  • Erwähnungen einer Marke auf Drittseiten
  • Medienberichte und Fachartikel
  • Verlinkungen und Empfehlungen aus vertrauenswürdigen Quellen
  • Branchenverzeichnisse und Unternehmensprofile
  • Konsistente Informationen über verschiedene Plattformen hinweg

Sichtbarkeit in KI-Systemen wird damit zunehmend zu einer Frage von Bekanntheit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Während klassische Suchmaschinen primär einzelne Webseiten bewerten, versuchen generative Systeme zu verstehen, wie relevant und vertrauenswürdig eine Marke insgesamt ist.

GEO erweitert deshalb den SEO-Gedanken um eine zusätzliche Ebene: Es geht nicht mehr nur darum, für ein bestimmtes Keyword gefunden zu werden, sondern darum, von KI-Systemen als vertrauenswürdige Quelle erkannt und in Antworten aktiv berücksichtigt zu werden.

Deshalb gilt aus unserer Sicht: SEO funktioniert ohne GEO, GEO funktioniert jedoch nicht ohne SEO. GEO baut auf den bewährten SEO-Grundlagen auf und ergänzt diese um Faktoren wie Markenautorität, digitale Reputation und die Präsenz über das gesamte Web hinweg. In diesem Sinne ist GEO weniger eine neue Disziplin als vielmehr die konsequente Weiterentwicklung von SEO für das Zeitalter der generativen Suche.

Welche Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, in generativen Antworten zitiert zu werden? #

Auf der ersten Ebene steht die digitale Präsenz und Wahrnehmung einer Marke im gesamten Online-Ökosystem. Dazu gehören Faktoren wie Markenbekanntheit, digitale Reputation, Bewertungen, Erwähnungen auf Drittseiten, Medienberichte sowie hochwertige Verlinkungen. Diese Ebene gewinnt im Kontext generativer Suchsysteme zunehmend an Bedeutung, weil KI-Systeme versuchen, ein möglichst umfassendes Bild einer Marke und ihrer Glaubwürdigkeit zu entwickeln.

Gerade für KMU stellt sich dabei jedoch oft die Frage der Ressourcen. Der Aufbau einer breiten digitalen Präsenz ist langfristig wichtig, erfordert aber Zeit, Budget und kontinuierliche Markenarbeit ausserhalb der eigenen Website.

Auf der zweiten Ebene liegt deshalb der unmittelbar beeinflussbare Hebel: die klassische SEO-Optimierung. Dazu gehören eine klare technische Struktur, saubere Inhaltsarchitektur, die gezielte Ausrichtung auf Suchintentionen sowie hochwertige, gut strukturierte Inhalte. Hier liegt aktuell aus unserer Erfahrung der grösste direkte Einflussfaktor auf Sichtbarkeit und gleichzeitig jener Bereich, den Unternehmen am effektivsten selbst steuern und verbessern können.

KI-Systeme bevorzugen Inhalte, die klar strukturiert sind, konkrete Fragen beantworten und technisch sauber zugänglich sind. Klare Überschriften, verständliche Sprache, aktuelle Informationen und eine saubere Website-Struktur erhöhen die Wahrscheinlichkeit, als Quelle berücksichtigt zu werden.

Vereinfacht gesagt: Die digitale Markenpräsenz wird als Faktor wichtiger und umfassender. Im operativen Alltag bleibt jedoch SEO der zentrale Hebel, um Sichtbarkeit gezielt aufzubauen und messbar zu beeinflussen, insbesondere für KMU mit begrenzten Ressourcen.

Welche strukturellen Eigenschaften sollte eine Website haben, damit sie von KI-Systemen gut verarbeitet werden kann? #

Eine AI-freundliche Website beginnt mit einer sauberen technischen Basis.

Wichtige Inhalte sollten direkt im HTML verfügbar sein und nicht ausschliesslich über JavaScript nachgeladen werden. Ebenso wichtig sind eine klare Überschriftenstruktur, logisch aufgebaute Inhalte und verständliche Themenblöcke, die konkrete Fragen beantworten.

Zusätzlich gewinnen strukturierte Daten zunehmend an Bedeutung. Sie helfen Suchmaschinen und KI-Systemen dabei, Informationen schneller und präziser einzuordnen.

Auch interne Verlinkungen spielen eine wichtige Rolle, da sie thematische Zusammenhänge sichtbar machen und sogenannte Themencluster aufbauen.

Gibt es typische Fehler, die Unternehmen vermeiden sollten? #

Ja. In der Praxis sehen wir immer wieder ähnliche Herausforderungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • wichtige Inhalte, die nur über JavaScript geladen werden
  • fehlende strukturierte Daten
  • unklare Überschriftenhierarchien
  • veraltete Inhalte
  • eingeschränkter Bot-Zugriff über die robots.txt-Datei
  • wichtige Informationen, die ausschliesslich als PDF verfügbar sind

Gerade diese Faktoren können dazu führen, dass Inhalte schlechter verarbeitet oder gar nicht berücksichtigt werden.

Fazit: AI-Readiness beginnt bei den Grundlagen #

Generative Suchsysteme verändern die digitale Sichtbarkeit von Unternehmen nachhaltig. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Erfolgsfaktoren weiterhin auf bewährten SEO-Grundlagen aufbauen.

Wer seine Website technisch sauber aufstellt, Inhalte klar strukturiert, strukturierte Daten nutzt und seine Expertise sichtbar macht, schafft die Grundlage für Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Systemen.

Die Entwicklung von GEO steht noch am Anfang. Unternehmen, die sich bereits heute mit AI-Readiness beschäftigen, schaffen jedoch einen wichtigen Vorsprung für die Zukunft der Suche.

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Martin Kost

Über den Autor 

Martin Kost ist Inhaber der Online Marketing Agentur Standout, schreibt seit 2011 über Online Marketing Themen und ist Autor des Buches „Überzeugen im Web“.

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