24. Aug. 2026

Künstliche Intelligenz im Unternehmen: Wie KI-Agenten und Automatisierung die Arbeitswelt verändern

Künstliche Intelligenz entwickelt sich aktuell rasant weiter und eröffnet auch im digitalen Marketing immer neue Anwendungsmöglichkeiten. Während Unternehmen vor einiger Zeit vor allem erste Erfahrungen mit ChatGPT und einzelnen KI-Tools sammelten, rücken heute zunehmend komplexere Anwendungsfälle in den Fokus: KI-Agenten unterstützen klar definierte Prozesse, individuelle Tools erleichtern wiederkehrende Aufgaben und neue Systeme helfen dabei, grosse Datenmengen effizienter zu strukturieren und auszuwerten.

Doch welche Entwicklungen sind für Unternehmen wirklich relevant? Welche Chancen ergeben sich daraus? Und wie verändert KI bereits heute den Arbeitsalltag?

Wir haben mit René Häfliger, Senior Online Marketing Consultant bei der Standout GmbH, gesprochen. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er KI-gestützte Workflows und interne Softwarelösungen und gibt Einblicke, wie künstliche Intelligenz Fachpersonen bereits heute bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen kann.

Welche Entwicklungen haben den Bereich Künstliche Intelligenz im vergangenen Jahr besonders geprägt? #

René Häfliger: Die Entwicklung ist enorm. Was vor einem Jahr noch stark experimentell war, lässt sich heute deutlich strukturierter in bestehende Arbeitsprozesse integrieren. Besonders spannend finde ich den Bereich der KI-Agenten. Über standardisierte Schnittstellen können solche Systeme mittlerweile mit verschiedenen Anwendungen wie Google Ads, Meta Ads oder internen Wissensdatenbanken verbunden werden und dort klar definierte Arbeitsschritte unterstützen oder automatisiert ausführen.

Ein weiterer grosser Fortschritt ist die Entwicklung individueller Softwarelösungen mit Unterstützung von KI. Erste Prototypen, Entwürfe oder einzelne Funktionen lassen sich dadurch teilweise deutlich schneller umsetzen als früher.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Entwicklungsaufwand vollständig entfällt. Vielmehr verschiebt sich ein Teil der Arbeit: Konzeption, Integration, Prüfung, Weiterentwicklung und Qualitätssicherung bleiben entscheidend. Der grosse Vorteil liegt darin, Ideen schneller testen und individuelle interne Anwendungen effizienter entwickeln zu können.

Wie wird Künstliche Intelligenz bei Standout bereits heute im Arbeitsalltag eingesetzt? #

KI unterstützt uns heute vor allem bei klar definierten Arbeitsschritten, die zuvor viel Zeit für Recherche, Strukturierung oder Dokumentation benötigt haben.

Ein Beispiel ist unser internes Wissensmanagement. Hier können Informationen aus öffentlichen Quellen, internen Dokumenten und bestehendem Projektwissen gebündelt und für die weitere Bearbeitung strukturiert aufbereitet werden.

Auch bei der Vorbereitung von Angeboten, Präsentationen oder Konzepten kann KI dabei helfen, Informationen zu ordnen, erste Strukturen zu entwickeln, Varianten zu erstellen oder relevante Fragestellungen sichtbar zu machen.

Die fachliche Bewertung erfolgt jedoch weiterhin durch unsere Mitarbeitenden. Wir prüfen die Ergebnisse, setzen sie in den jeweiligen Kundenkontext, priorisieren Inhalte und entwickeln daraus die passende strategische Ausrichtung.

Der Vorteil besteht deshalb weniger darin, menschliche Arbeit zu ersetzen, sondern bestimmte vorbereitende Schritte effizienter zu gestalten. Dadurch können wir mehr Zeit für Strategie, Beratung, Qualitätssicherung und den persönlichen Austausch mit unseren Kunden einsetzen.

Welche Rolle spielen KI-Agenten in den bestehenden Arbeitsprozessen bei Standout? #

Mit zunehmender Anzahl an KI-Agenten entsteht schnell die Herausforderung, den Überblick darüber zu behalten, welche Prozesse gerade laufen und an welchen Stellen menschliche Entscheidungen oder Rückmeldungen benötigt werden.

Deshalb habe ich ein eigenes «Agent Desk» entwickelt, vergleichbar mit einem Kanban-Board. Dort sehe ich auf einen Blick, welche Agenten aktuell welche definierten Aufgaben bearbeiten, wo eine Prüfung oder Freigabe erforderlich ist und welche Arbeitsschritte bereits abgeschlossen wurden.

Das reduziert vor allem den organisatorischen und mentalen Aufwand. Statt ständig zwischen verschiedenen Anwendungen zu wechseln, kann ich die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Systemen zentral koordinieren und Aufgaben strukturiert einplanen.

Ich glaube, genau solche Lösungen werden künftig immer wichtiger. Denn je stärker KI in bestehende Arbeitsprozesse integriert wird, desto wichtiger wird auch eine klare Steuerung der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie.

Welchen konkreten Mehrwert bietet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die Kunden von Standout? #

Unsere Kunden profitieren vor allem davon, dass wir Informationen und Daten aus unterschiedlichen Quellen effizienter zusammenführen und mehr Varianten oder Perspektiven in unsere Arbeit einbeziehen können.

KI unterstützt beispielsweise dabei, grosse Datenmengen zu strukturieren, Muster sichtbar zu machen oder unterschiedliche Ansätze gegenüberzustellen. Die Einordnung dieser Informationen, die Bewertung ihrer Relevanz und die daraus resultierenden Empfehlungen bleiben jedoch Aufgabe unserer Fachpersonen.

Gleichzeitig können bestimmte interne Prozesse wie Recherche, Dokumentation oder die Vorbereitung von Präsentationen effizienter gestaltet werden.

Die gewonnene Zeit investieren wir gezielt in Bereiche, in denen menschliche Erfahrung und Fachwissen besonders entscheidend sind: in die Entwicklung von Strategien, die Priorisierung von Massnahmen, die Optimierung von Kampagnen und die persönliche Beratung unserer Kunden.

Der Mehrwert liegt damit nicht allein in einer schnelleren Ausführung, sondern vor allem darin, fundiertere Entscheidungen treffen und mehr relevante Informationen in den Entscheidungsprozess einbeziehen zu können.

An welchen KI-gestützten Tools und Lösungen arbeitet Standout derzeit? #

Ein spannendes Projekt ist derzeit ein Analyse-Tool für Webseiten. Es betrachtet Websites aus drei verschiedenen Perspektiven.

Zum einen überprüft es den technischen Zustand anhand von über 100 SEO-relevanten Kriterien. Gleichzeitig analysiert es die Sichtbarkeit einer Website in der klassischen Google-Suche und untersucht zusätzlich, wie präsent bestimmte Inhalte bereits in KI-gestützten Such- und Assistenzsystemen sind.

Die Ergebnisse dieser Analysen werden strukturiert zusammengeführt und bilden eine Grundlage für die weitere fachliche Bewertung. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten können darauf aufbauend Optimierungspotenziale identifizieren, priorisieren und konkrete Massnahmen für den jeweiligen Kunden entwickeln.

Besonders spannend ist dabei die Kombination aus klassischer Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Generative Engine Optimization (GEO), also der Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Suchsysteme.

Auch hier verstehen wir KI nicht als Ersatz für fachliche Analyse und Beratung, sondern als Werkzeug, das dabei hilft, komplexe Informationen effizienter zu erfassen und eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Wo liegen aktuell die grössten Potenziale von Künstlicher Intelligenz für Unternehmen? #

Eine der grössten Chancen liegt darin, repetitive Aufgaben sowie die Verarbeitung und Strukturierung grosser Datenmengen effizienter zu gestalten.

Dadurch können Unternehmen schneller auf Informationen zugreifen, mehr Varianten prüfen und bestehende Prozesse gezielter weiterentwickeln. Gleichzeitig lassen sich neue Ideen oder Prototypen früher testen, wodurch Unternehmen schneller lernen können, welche Ansätze tatsächlich einen Mehrwert schaffen.

Der Einsatz von KI verändert dabei auch die Aufgabenverteilung. Der Aufwand verschwindet nicht einfach, sondern verlagert sich stärker in Richtung Konzeption, Integration, Prüfung, Qualitätssicherung und strategische Einordnung.

Genau darin liegt aus meiner Sicht ein wesentlicher Vorteil: Fachpersonen können weniger Zeit mit wiederkehrenden vorbereitenden Aufgaben verbringen und sich stärker auf Entscheidungen, kreative Lösungsansätze, Beratung und die Weiterentwicklung von Dienstleistungen konzentrieren.

Deshalb reicht es langfristig vermutlich nicht aus, KI lediglich für einzelne Prompts einzusetzen. Unternehmen sollten sich vielmehr damit beschäftigen, an welchen Stellen KI sinnvoll in Prozesse integriert werden kann und wo menschliche Expertise weiterhin entscheidend bleibt.

Welche Vorgehensweise empfiehlt sich für Unternehmen, die Künstliche Intelligenz stärker in ihre Arbeitsprozesse integrieren möchten? #

Ich würde weder alles vollständig zentral steuern noch Mitarbeitende komplett ohne Orientierung experimentieren lassen. Erfolgreich ist aus meiner Sicht ein Mittelweg.

Bei Standout arbeiten wir mit einem kleinen Kernteam, das neue Ideen sammelt, bewertet und priorisiert. Gleichzeitig haben Mitarbeitende die Möglichkeit, eigene Anwendungsfälle auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.

Wichtig ist dabei, nicht jede neue Technologie unmittelbar in produktive Prozesse zu übernehmen. Neue Lösungen müssen getestet, fachlich bewertet und sinnvoll in bestehende Abläufe integriert werden.

So entstehen Innovationen, ohne dass Zeit oder Ressourcen unkontrolliert eingesetzt werden.

Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Jetzt anfangen, aber strukturiert. Unternehmen sollten erste sinnvolle Anwendungsfälle identifizieren, Erfahrungen sammeln und kontinuierlich evaluieren, wo KI tatsächlich einen Mehrwert bietet.

Ganz unabhängig von der Branche wird sich nahezu jedes Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen müssen. Wer heute beginnt, Kompetenzen aufzubauen und sinnvolle Prozesse zu entwickeln, schafft eine gute Grundlage für die kommenden Jahre.

Fazit #

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt bereits heute spürbar. Ihr grösster Mehrwert liegt jedoch nicht darin, menschliche Expertise zu ersetzen oder strategische Entscheidungen vollständig zu automatisieren.

Besonders wirkungsvoll wird KI dort, wo klar definierte Arbeitsschritte wie Recherche, Strukturierung, Datenverarbeitung, Variantenbildung oder Dokumentation effizienter gestaltet werden können.

Die strategische Einordnung, Priorisierung, individuelle Abstimmung auf den Kunden sowie die Verantwortung für Empfehlungen bleiben weiterhin bei den Fachpersonen.

Unternehmen, die KI deshalb nicht als isoliertes Tool, sondern als gezielte Unterstützung innerhalb sinnvoll gestalteter Prozesse verstehen, können ihre Arbeitsweise nachhaltig weiterentwickeln. So entsteht mehr Raum für fundierte Entscheidungen, Qualität, Beratung und den persönlichen Austausch mit Kunden.
 

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Martin Kost

Über den Autor 

Martin Kost ist Inhaber der Online Marketing Agentur Standout, schreibt seit 2011 über Online Marketing Themen und ist Autor des Buches „Überzeugen im Web“.

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